Eine Frau … kommt öfter allein

Louise Otto Peters und die ihrigen drehen sich zurzeit vermutlich heftig in ihren Gräbern um: Das Land Sachsen, in dem sich – daran muss man heute erstmal wieder erinnern – eine der Wiegen der deutschen Frauenrechtsbewegungen befindet, hinkt beim Frauenanteil in politischen Führungsetagen mächtig hinterher. Laut Leipziger Volkszeitung liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte in Ministerien und Staatssekretariaten gegenwwärtig bei knapp 19 Prozent. Unter 21 MinisterInnen und StaatssekretärInnen finden sich gerade einmal 4 Frauen. Deutlich positiver sieht es hingegen im öffentlichen Dienst des Freistaates aus: Dort beträgt der Frauenanteil auf der obersten Leitungsebene rund 43 Prozent, unter leitenden Angestellten einschließlich SchulleiterInnen sogar rund 66 Prozent.

Dazu möchten wir gern ergänzen:

Wie „ernst“ es die Sächsische Landesregierung mit der Gleichstellung von Frau und Mann meint, zeigen im Übrigen jedoch vor allem die drastischen Mittelkürzungen im Gleichstellungsbereich. Während im Jahr 2004 noch 2,5 Millionen Euro (ca. 0,33 Prozent des Sozialhaushaltes) in Sachsen für die sog. „Querschnittsaufgabe Gleichstellung von Frau und Mann“ ausgegeben wurde, setzte in den darauffolgenden Jahren ein rücksichtsloser Abbau dieser Förderung ein. Im Jahr 2012 lag ihr Anteil bei gerade noch 0,1 Prozent. Oder in Euro ausgedrückt: Die Sächsische Landesregierung hat für die Gleichstellung von Frau und Mann gerade mal 150.000 € übrig! Die traurige Ironie an der Sache ist, dass hierfür ausgerechnet eine der wenigen Frauen in der Regierung maßgeblich verantwortlich zeichnet: Sozialministerin Christine Clauß.

Die Folgen für hiesige Frauen- und Gleichstellungsprojekte sind fatal! Viele Initiativen mussten ihr Personal und ihre Angebote massiv reduzieren, manche gar schließen. Auch die MONAliesA ist von den Einsparungen betroffen und kann nur mit viel ehrenamtlichen Engagement ihr Angebot in der gewohnten Qualität und Breite aufrechterhalten. Unter anderem werden die Öffnungszeiten und die Betreuung der Bibliothek komplett ehrenamtlich abgedeckt.

Es ist deshalb längst an der Zeit, nicht mehr nur eine Frauenquote für Führungspositionen in Politik und Wirtschaft einzufordern. Es bedarf auch endlich einer adäquaten finanziellen Förderung von frauen- und gleichstellungspolitischen Projekten, die tagtäglich an der gesellschaftlichen Basis einen fundamentalen Beitrag für die Geschlechtergerechtigkeit in Sachsen leisten.

Chancengleichheit, Gleichberechtigung und Gleichstellung sind keine Schönwetter-Angelegenheit für die Abteilung „politisches Marketing“, sondern elementare Voraussetzungen einer soliden Demokratie. Bei solchen Zahlen kommt uns aber das blanke Grauen…

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