Nackt und mächtig?!

In den vergangenen Jahren ist feministischer Protest definitiv auch freizügiger geworden. Während in den 1970er und frühen 1980er Jahren FeministInnen ausschließlich angezogen und mit phantasiereichen Inszenierungen auf den (westdeutschen) Straßen gegen sexualisierte Gewalt und für Gleichberechtigung demonstrierten, gehen nun selbsternannte „Schlampen“ in BH und Höschen gegen Vergewaltigungsmythen und für mehr körperliche Selbstbestimmung auf die Barrikaden. Eine bislang nicht gekannte (und von vielen wohl auch nicht für möglich gehaltene) Steigerung erfuhr diese „feministische Selbstentblößung“ durch die Femen aus der Ukraine. Die Brüste der zumeist um die 30 nackten Aktivistinnen haben es ruckzuck in die Zeitungen und Fernsehnachrichten geschafft – so schnell waren feministische Forderungen bislang wohl nur selten auf eine derart breite mediale Resonanz gestoßen.

Stellt diese Art des feministischen Protests eine Kapitulation vor den Medien dar, die nur berichten, wenn die Feministinnen „sexy“ aussehen? Oder ist diese Art von Widerstand ein feministischer Akt, in dem der weibliche (halb-)nackte Körper als politisches Instrument funktionalisiert wird?

Im Rahmen der Internationalen Studentischen Woche wird es in der MONAliesA am Mittwoch, den 23.05., einen Vortrag zum Thema „FEMEN – Weiblichkeit als politisches Happening“ geben. Auf dem Podium sitzen mit den Politikwissenschaftlerinnen Andrea Priebe und Dorothée Marth zwei ausgewiesene Spezialistinnen für dieses Thema.

Beginn ist 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 bzw. 2 Euro.

Der feministische Protest war und ist immer noch vielfältig. Französische FeministInnen mischten beispielsweise den letzten Präsidentschaftswahlkampf ordentlich auch: Dort erfuhr die Frauenbewegung durch die Affäre DSK/Nafissatou Diallo einen enormen Aufschwung. Werbespots in Kino, Fernsehen und Internet sowie eine ganze Reihe Podiumsdiskussionen heizten die Debatte kräftig an. Die Resonanz in Deutschland: gleich Null.

Oder die aktuelle Entwicklung in Italien: Auch dort laufen die Frauen Sturm gegen den Machismo in der Gesellschaft sowie gegen Frauenarmut und geschlechtsspezifische Gewalt. Die Resonanz in den Medien? Seit dem Rücktritt des Berlusconis sank sie spürbar…

Und nun kommen die Femen. Zunächst haben auch sie ganz züchtig gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und für mehr Gleichberechtigung in der Ukraine demonstriert. Die JournalistInnen quittierten ihr frauenrechtlerisches Engagement mit Nichtbeachtung. Als sie sich aus Protest gegen die Wohnzustände in den Studentenwohnheimen nur mit einem Bikini bekleidet im Brunnen auf dem Platz der Orangenen Revolution wuschen, setzte ein Blitzlichtgewitter ein. Da dämmerte es den Aktivistinnen…

Kapitulation vor der sexualisierten Gesellschaft und einem zynischen, bigotten Medienapparat oder Neudefinition von körperlicher Selbstbestimmung und Freizügigkeit? Um solche und weitere Fragen wird es gehen. Eure Meinungen sind willkommen!

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