Stellungnahme zur Sexismus-Debatte

Die antifeministischen Wellen in der Sexismus-Debatte schlagen immer höher – höchste Zeit in dieser schier unsäglichen Diskussion Stellung zu beziehen!

Ausgelöst durch einen Artikel über Rainer Brüderle im aktuellen Stern debattiert  Deutschland in Print- und Onlinemedien über Sexismus. In dieser Diskussion geht es ans Eingemachte. Es geht hier nicht nur um ungleiche Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Es geht vor allem auch um die Frage, in welcher Gesellschaft wir künftig leben wollen. Und gerade dehalb lassen die Wortmeldungen und Meinungen in dieser Debatte eine regelrecht erschaudern. Da ist von einer Kampagne gegen die FDP die Rede, von einem plumpen Lagerdenken (siehe aktuelle Ausgabe der Sueddeutschen) oder von der allseits drohenden Political Correctness, die neue Tabus und ein moralpolizeiliches Umfeld produziert (Siehe der Kommentar von Christiane Hoffmann im aktuellen Spiegel). Trauriger Tiefpunkt ist die Sendung von Günther Jauch am vergangenen Sonntag. Die Worte und das Verhalten von Günther Jauch, Wiebke Bruhns und Hellmuth Karasek verschlugen mir die Sprache.

All diese Beispiele zeigen mindestens drei Fakten. Erstens: Eine tiefgründige Auseinandersetzung über sexistische Verhältnisse in Deutschland findest nicht statt. Wie Komplex das Thema Sexismus eigentlich ist, zeigt die Definition dieses Begriffs: Sexismus bezeichnet jede Haltung, Äußerung, Tat, Strategie, Methode oder institutionelle Handlung, die zur Unterdrückung und Marginalisierung einer Person oder einer Gruppe aufgrund ihres Geschlechts beiträgt. […] Sexismus durchdringt alle Lebensbereiche von Frauen, private wie öffentliche, ökonomische, soziale wie psychologische. (Prof. Dr. Siegried Metz-Göckel „Sexismus“, in: Gender Studies und Geschlechterforschung, Weimar 2002, S. 357-358.) Spätestes hier wird klar, Sexismus ist nicht „nur“ das Grabschen, sondern auch die Geschlechterapartheid in der Spielzeugwarenabteilung, Germany´s next Topmodel, die schlechtere Bezahlung von Frauen, die gesellschaftliche und monitäre Abwertung von so genannten Frauenberufen wie die Kindergärnterin, Flatratebordelle (Dank des tollen Prostitutionsgesetzes), und und und.

Zweitens: Die Probleme und Bedürfnisse der Frauen werden nicht ernst genommen. Und es wird ihnen gesagt, dass sie sich selber nicht so wichtig nehmen sollen. Rädelsführerin hier ist die bereits erwähnte Wiebke Bruhns.

Drittens offenbahrt sich in dieser Debatte die Doppelmoral und Verlogenheit der weltlichen Gesellschaft. Warum betone ich das? Vor nicht all zu langer Zeit gab es einen Riesenaufschrei über das Frauenbild und über die Sexualmoral der katholischen Kirche. Was wurde nicht geschimpft über die verklemmten und notgeilen Priesterröcke, die sich aus lauter Angst vor Frauen und Sexualität in die Parallelwelt des Vatikans flüchten. Und jetzt? Jetzt wird der profanen Gesellschaft der Spiegel vorgehalten. Was nun einsetzt ist eine Abfolge von Abstreiten, Verhöhnungen und Leugnungen.

Übrigens wurde über die Kombination von Sexismus und Rassimus/Antisemitismus noch gar nicht gesprochen. Aber das wäre wohl für einige der intellektuelle Super-GAU.

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