Chapeau, Frau Schücking!

Das nennt man wohl: Jemandem eine Nase drehen. Nachdem der Erweiterte Senat der Universität Leipzig im Mai beschlossen hatte, in seiner Grundordnung künftig das „generische Femininum“ zu verwenden, verbreiteten unzählige Medien die Falschmeldung, dass in Leipzig künftig alle männlichen Lehrenden mit „Herr Professorin“ angesprochen werden müssen. Es geschah, was geschehen musste, angesichts der hitzigen Unsachlichkeit, die die Debatte über Feminismen und Gender Mainstreaming in großen Teilen der Öffentlichkeit mittlerweile prägt: Ein Shitstorm war geboren und in besonders abscheulicher, sexistischer Form ergoss sich dieser über der Rektorin, Frau Professor Dr. Beate Schücking. Was nutzt es da zu erwähnen, dass die Rektorin im Erweiterten Senat überhaupt kein Stimmrecht hat; augenscheinlich hatten weder Medien noch KommentatorInnen ein ernstes Interesse an einer sachlichen Debatte. Schier todesmustig reihte sich denn auch der Dekan der Juristischen Fakultät in die Reihe der Kämpfer für das Wahre, Gute und Männliche: Seine Studierenden, von denen (Zitat) „mehr als die Hälfte“ Frauen seien, bräuchten auch in Zukunft nicht zu befürchten als „Studentin“ angesprochen zu werden.

Da das Gerücht von der feministischen Diktatur nun einmal in der Welt war, wollte man von Seiten der Angegriffenen auch irgendwie produktiv damit umgehen. In der „Zeit“ kündigte Schücking jetzt an, die eingegangenen „Protestschreiben“ sprachwissenschaftlich auswerten zu lassen: „Damit bekommt die Sache einen akademischen Nutzen.“ Den Schreihälsen einfach mal den Spiegel vorzuhalten ist immer wieder ein guter Einfall… Chapeau, Frau Schücking!

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