Sing us a song, piano woman

Das gängige Bild eines weiblichen Fans lautet ungefähr so: Sie steht kreischend und hysterisch vorm Hotel oder der Konzertbühne, hält selbstbemalte Pappen mit Herzchen hoch und ist beim Anblick des meist männlichen Musikers kaum noch zu bändigen. Sie würden alles tun, um ihr männliches Idol einmal zu treffen und sie geben ihr komplettes Taschengeld für Merchandise aus.

Dieses Klischee ist so alt wie die Popkultur selbst: angefangen von der „Beatlermania“ über die Boygroups der 1990er bis hin zum „Bieber-Fever“ in unserer Zeit. Es wird von der Musikindustrie fleißig gepflegt, verpsricht dies doch Umsätze in Milliardenhöhe. Auch die Musikjournalist_innen leisten ihren Beitrag: weibliche Fans werden entweder als Groupies oder Fanatikerinnen abgestempelt. Seriöse Beiträge oder gar Untrersuchungen über weibliche Fans jeneseits des beschriebenen Stereotyps sind sehr rar.

Um so wertvoller ist die von Adrienne Trier-Bieniek vorgelegte Studie „Sing us a Song, Piano Woman. Female Fans and the Music of Tori Amos“. Dieses Buch leistet einen fundamentalen Beitrag zu unserem Verständnis von weiblicher Fan-Kultur, das Verhältnis zwischen feministischer Musik und feministischen Aktivismus und wie feministische Musikerinnen gängige Stereotypen in der Popkultur negieren bzw. herausfordern.

Der Auslöser sich mit weiblicher Fankultur und der heilenden Wirkung von Musik am Beispiel der Fangemeinde von Tori Amos zu beschäftigen war der Amoklauf der Virginia Tech in Blacksburg (Virginia) im Jahr 2007. Die Autorin: „I had about a month of experiencing that sense of loss with people who also had experienced it, then I was yanked out of there. I was looking for some way to help me deal with this big sense of loss.“  Sie fand ihre Heilung in den Alben The Beekeeper und American Doll Posse von Tori Amos.

Dass Trier-Bieniek mit ihrer Erfahrung nicht allein ist, zeigen die zahlreichen  und zum Teil auch bewegenden Ausschnitte aus den zahlreichen Inrerviews mit Fans von Tori Amos.

Hier ein paar Beispiele:

These songs are not about break-ups and make-ups…. They´re about the things that go on in a woman heart. […] They´re about the breaking down the patriarchy within relationships and the idea of women claiming their own power.“ (S. 20)

I was molested when I was little by my mom´s best friend´s son. […] But Tori, it´s definitely helped me, just her music.“ (S. 71)

Die Fans schätzen Tori Amos nicht nur, weil sie in ihren Texten die Erfahrungen von Frauen im Mittelpunkt stellt. Eine Mehrheit der befragten Frauen identifiziert sich auch mit Toris feministischen Anliegen: „Like a lot of songs are feminist and I feel like a lot of her songs, something like „Winter“ or the Little Earthquakes album in general….“ (S. 41)

Adrienne Trier-Bieniek ist ein wundervolles Buch gelungen, das sich trotz englischer Sprache leicht lesen lässt. Dieses Buch ist nicht nur etwas für Tori Amos-Fans, sonder für alle, die sich mit Feminismus, Musik und Pop-Kultur beschäftigen.

Und zum Abschluss noch einer meiner absoluten Favoriten von Tori Amos:

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