Barbara und Meret in Berlin

Während sich das Museum für bildende Künste in Leipzig mit seiner aktuellen Ausstellung „Die Schöne und das Biest“ als Museum für sexistische Altherren-Phantasien profiliert, glänzt der Martin-Gropius-Bau mit zwei sensationellen Restrospektiven der Werke Barbara Klemms und Meret Oppenheims.

Barbara Klemm hat wie keine andere Fotografin Schlüsselereignisse des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Kamera festgehalten. Als Fotografin der Frakfurter Allgemeinen Zeitung prägte sie mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen das kollektive Gedächtnis: Williy Brandt 1973 im Gespräch mit Leonid Breschnew, die Nelkenrevolution 1974 in Portugal oder der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Aber auch  Alltagsszenen und Straßensituationen aus allen Erdteilen, einfühlsame Portraits von Künstlern, Schriftstellern, Musikern findet sich in der Ausstellung, die ca. 300 Exponate umfasst.

Unmittelbar gegenüber befindet sich die große Werkschau Meret Oppenheims, die am 6. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre. Meret Oppenheim wird zu Recht als wichtigste Künstlerin des Surrealismus und feministische Identifikationsfigur gefeiert. Jedoch ließ sie sich nie auf eine Kunstrichtung festlegen und bewahrte sich stehts ihre Unabhängigkeit. Die daraus resultierende Vielgestaltigkeit ihres Gesamtoeuvres ist bis dato nicht nur unerreicht, sondern auch heute noch wegweisend.

Der Besuch dieser beiden famosen Ausstellungen sei allen ans Herz gelegt. Wer den Weg nach Berlin nicht schafft, kann sich gerne auch bei uns die beiden Begleitpublikationen ausleihen:

Barbara Klemm: Fotografien 1968 – 2013

Meret Oppenheim: Retrospektive

Und als kleines Zusatzschmankerl haben wir nun auch den Riesenband „Kunst und Feminismus“ neu im Bestand. Dieser enthält eine fundierte und vielschichtige Zusammenschau der feministischen Kunst seit den 1960er Jahren. Neben der theoretischen Einbettung sind auch zahlreiche Werke feministischer Künstlerinnen abgebildet. Großer Pluspunkt dieser Publikation ist Berücksichtigung der Werke Schwarzer Frauen. Leider fehlen die Indigenas völlig – ihre Kunst wird dann wohl immer noch eher in den Museen für Völkerkunde verortet.

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