Fr., 29.09: Lesbische Frauen im Dritten Reich

Fr., 29.09.2017, 18.30 Uhr: Vortrag von Dr. Claudia Schoppmann: „Zwischen strafrechtlicher Verfolgung und gesellschaftlicher Ächtung: Lesbische Frauen im Dritten Reich“

Im Vortrag von Claudia Schoppmann geht es anhand biografischer Beispiele um die Lebenssituationen lesbischer Frauen im Nationalsozialismus. Ebenso wie homosexuelle Männer erfuhren lesbische Frauen nach 1933 die Zerstörung ihrer Treffpunkte, Lokale und Zeitschriften. Sexuelle Handlungen zwischen Frauen standen jedoch nicht per se unter Strafe, im Gegensatz zu solchen zwischen Männern (§175 RStGB). Dieses geschlechtsspezifische Vorgehen der Nationalsozialisten ist vor allem auf die unterschiedliche Beurteilung von weiblicher und männlicher Sexualität und auf die Geschlechterhierarchie im „Dritten Reich“ zurückzuführen. Aufgrund der vielfältigen Kontrollmechanismen gegenüber Frauen konnte auf eine systematische Anwendung des Strafrechts als Mittel zur Abschreckung und Einschüchterung offenbar verzichtet werden. Dies schützte jedoch nicht vor Denunziationen. Auch weibliche Homosexualität wurde gesellschaftlich geächtet und entsprach nicht den moralischen Normen. Allein der Verdacht gegen Frauen oder ihre Benennung in anderen Verfahren reichte für polizeiliche Ermittlungen, Verhöre oder andere Maßnahmen. Wenn einzelne Frauen ins Visier des Regimes gerieten, mussten auch sie mit Repressionen rechnen – mit unterschiedlichen Konsequenzen.

Dr. Claudia Schoppmann ist Historikerin, Autorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin

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