Empfehlungen des MONAliesA Teams

Für Einsteigerinnen

De Beauvoir, Simone: Einleitung zu “Das andere Geschlecht”. 1949

Becker-Schmidt, Regina/Knapp, Gudrun-Axeli: Feministische Theorien. Zur Einführung. 2007

Holme, Kristina Biene: B² – von Beauvoir zu Butler. Eine kurze Geschichte der feministischen Philosophie. In: outside the box. Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik. # 1 Emanzipation http://outside-mag.de/issues/1/posts/49

Schnalzger, Barbara: Mädchen, zeig was du kannst. Über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in hellblau und rosa und Feminismen, die nichts mehr wollen. In: outside the box. Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik. # 4 Arbeit http://outside-mag.de/issues/4/posts/56

Schwarzer, Alice: Der große Unterschied. Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen. 2000

Schrupp, Antje, Patu: Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext. 2015

Solnit, Rebecca: Wenn Männer mir die Welt erklären. 2015

Trumann, Andrea: Feministische Theorien. Frauenbewegung und weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus. 2002

Sachbuch

AFBL: Frauen in der DDR. Gleiche Rechte – Doppelte Pflichten? http://afbl.org/categories/1/papers/7

Adamczak, Bini: Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. 2017

De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. 1949

Benjamin, Jessica: Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht. 1999

Didi-Huberman, Georges : Die Erfindung der Hysterie: Die photographische Klinik von Jean-Martin Charcot. 2010

Duby, Georges/Perrot, Michelle: Geschichte der Frauen. In 5 Bänden. 1994

Eltahawy, Mona: Warum hasst ihr uns so? Für die sexuelle Revolution der Frauen in der arabischen Welt. 2015

Federici, Silvia: Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. 2015

Fine, Cordelia: Die Geschlechterlüge. Die Macht der Vorurteile über Frau und Mann. 2012

Haug, Frigga: Erinnerungsarbeit. 1994

Haug, Frigga (Hg.): Historisch-kritisches Wörterbuch des Feminismus. 2011

Hauser, Kornelia: Patriarchat als Sozialismus. Soziologische Studien zu DDR-Literatur. 1994

Honigmann, Barbara: Das Gesicht wiederfinden. Über Schreiben, Schriftsteller und Judentum. 2006

Hutfless, Esther/Postl, Gertrude/Schäfer, Elisabeth (Hg.): Hélène Cixous: Das Lachen der Medusa. 2013

Kaminsky, Anna: Frauen in der DDR. 2016

Kirchner, Barbara: Dämmermännerung. Neuer Antifeminismus, alte Leier.

Pro Lippenstiftmarxismus

Nicht nur christliche FundamentalistInnen und querfrontlerische Publizistengockel vertreten die Meinung, dass Feministinnen der Schrecken der Gesellschaft sind. In allen Feuilletons und Talkshows genau wie bei den Linken tritt regelmäßig dann, wenn Frauen auf Sexismus und Geschlechterhierarchien hinweisen, antifeministisches Ressentiment zutage. Die Äußerungen reichen von, »wer heute noch diskriminiert wird, ist selber schuld«, bis zu dem ältesten aller Vorwürfe, Feministinnen seien lustfeindliche Spaßbremsen.
DaemmermaennerungBarbara Kirchner schreibt in ihrem Essay Dämmermännerung gegen derartige antifeministischen Positionen. Mit Vehemenz und vielen Beispielen entlarvt sie auf knapp 90 Seiten Text antifeministische Rhetorik und argumentiert, warum ein gesellschaftliches Unrechtsverhältnis nicht individuell auflösbar ist.
Dabei bekommen viele ihr Fett weg. Zuvorderst »die kleinbürgerlichen und billigintellektuellen Männderdenker, die bourgeoisen Quotenheuchler, die Fit-For-Fun-Motivationsspinnerinnen « und andere, die sich am antifeministischen Rollback beteiligen. Insbesondere Antifeministen, die sich für aufgeklärte Zeitgenossen halten, werden von Kirchner auseinandergenommen und in ihren Argumentationsfiguren enttarnt.
Eine dieser Figuren imaginiert den Feind zwar als allmächtig, aber findet in ihm gleichzeitig ein leichtes Opfer. In Kirchners Worten: » real schwach und phantastisch übermächtig«. Am Beispiel der Homo-Ehe zeigt Kirchner, dass eine mit wenig Rechten ausgestattete Gruppe, verantwortlich für den »Zerfall der Familie« allgemein oder sogar individuell gemacht wird. Oder wie Frauen, die real nicht einmal gleiche Löhne für dieselbe Tätigkeit erhalten, als unfair bevorteilt halluziniert werden (68). Kirchner kommt zu dem Urteil, »Antifeminismus ist der Sexualentfremdungsprotest der dummen Kerls.« (79).
Auch feministische Positionen werden von Kirchner kritisch untersucht. Die Frauenbewegung hätte die Lohn-für-Hausarbeit-Debatte mit den Gewerkschaften als Arbeitskampf führen sollen, um die Forderung nach geldwertem Lohn dorthin zu bringen, wo Mehrwert produziert wird. »Queerfeministische Militante« würden Männern Privilegien lieber entziehen, statt sie zu »wünschenswerten Universalien zu erklären« (66). Auch das Abspaltungstheorem der Wertkritik und Judith-Butler-Lesekreise werden mit Seitenhieben bedacht.

Trotz aller Kritik an bestimmten feministischen Spektren wiederholt Kirchner an verschiedenen Stellen, dass für einen gemeinsamen Kampf nicht jede Analyse geteilt werden muss. »Man muß nicht an die ungebrochene Existenz des Patriarchats glauben, um festzustellen, daß sich der Kampf gegen Leute lohnt, die es verteidigen und retten wollen« (66), (ja, das Buch ist in konkret Manier in alter Rechtschreibung gesetzt, was genauso unnötig ist, wie die häufigen Verweise auf falsche Sprachverwendung bei GegnerInnen).
Ein ganzes Kapitel widmet sich Bernhard Lassahn, Publizist und Käpt’n Blaubär Autor. Seine »rechten Denkblasen« (81) stehen exemplarisch für »die Irrenzone des rechten Demagogenpools« (69). Dieser argumentiert dumpf, dass alle Feministinnen gegen Penetration, Männer und Kinder seien. Er postuliert einen »Zeugungszwang« (87), wenn er Liebe mit Sex und Sex mit Fortpflanzung gleichsetzt. Nichts anderes verdient seiner Meinung nach einen rechtlichen Schutz. Schwule und Lesben sind Lassahn und den Seinen ein biologischer Unfall, der nicht als normal angesehen werden dürfe.
Warum sie solch neurechten, querfrontlerischen Positionen Raum gibt, erklärt Kirchner damit, dass diese von der gesellschaftlichen Mehrheit als Referenzfolie genutzt werden – nach dem Motto, so schlimm wie die sind wir nicht, aber gebt acht, wenn wir nicht wären, würde es euch noch schlechter ergehen.

Im letzten Kapitel Es kommt aber darauf an, sie zu verändern präzisiert die Autorin, die hauptberuflich Professorin für theoretische Chemie ist, ihren antikapitalistischen Feminismus. Sie argumentiert gegen die olle Nebenwiderspruchsthese, weil »Unfreiheiten, die noch aus der Urhorde stammen, von keiner neuen Gesellschaftsformation je automatisch weggefegt wurden«. Sagt aber auch, dass »alle Erscheinungsformen des […] nicht kapitalismusspezifischen Unrechts […] kapitalistisch eingerichtet, vermittelt, organisiert« sind. Barbara Kirchner richtet sich an alle, die von Herrschaft und Besitzverhältnissen nicht reden wollen, und schließt den Kreis ihrer Argumentation. Denn der erste Satz dieses – nach eigener Bezeichnung – »Traktats« lautet: »Man kann Schlechtes verbessern, ohne das anzutasten, was am Schlechten schlecht ist.«
Insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre, die deutliche Worte gegen Antifeminismus findet und mit interessanten Beispielen und Anekdoten unter anderem aus der Welt der Naturwissenschaft arbeitet. Susanne Fischer

Oguntoye, Katharina/Ayim, May/Schultz, Dagmar: Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. 1992

Orbach, Susie: Bodies. Schlachtfelder der Schönheit. 2010

Piesche, Peggy: Euer Schweigen schützt Euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland. 2012

Power, Nina: Die eindimensionale Frau. 2009

Serano, Julia: Whipping girl. A Transsexual Woman on Sexism and the Scapegoating of Femininity. 2007

Scholz, Roswitha: Das Geschlecht des Kapitalismus: feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats. 2000

Steger, Florian/Schochow Maximilian: Traumatisierung durch politisierte Medizin. Geschlossene venerologische Stationen in der DDR. 2016

Wolf, Christa: Voraussetzungen einer Erzählung: Kasandra. Frankfurter Poetik-Vorlesungen. 1983

Prosa

Adichie, Chimamanda Ngozi: Americanah. 2015

Bachmann, Ingeborg: Malina. Roman. 1971

Brantenberg, Gerd: Die Töchter Egalias. 1977

Feinberg, Leslie: Stone Butch Blues. 1993

Haratischwili, Nino: Das achte Leben (für Brilka). 2014

Jelinek, Elfriede: Die Liebhaberinnen. Roman. 1978

Kane, Sarah: Sämtliche Stücke. 2007

Kraus, Chris: I love dick. 1997

Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura. Roman. 1974

Nicolaisen, Jasper: Ein schönes Kleid. Roman über eine queere Familie. 2016

Marge Piercy: Er, Sie und Es. 1991

Plath, Sylvia: Die Glasglocke. 1968

Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. 1974

Stefan, Verena: Häutungen. 1975

Wolf, Christa: Kindheitsmuster. 1976

Woolf, Virginia: Orlando. 1928

Woolf, Virginia: Ein eigenes Zimmer. 1929

 

 

 

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